
RE-FORM "Für gutes Leben"
Lokalhistorische und städtebauliche Einordnung
Adolf Voll prägte am Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute das Stadtbild Fürstenfeldbrucks durch den Baustil der Lebensreform (Reformarchitektur). Die Lebensreformbewegung war die Antwort auf die Industrialisierung. Mensch und Natur sollten durch sie wieder vereint werden. Sie propagierte die Rückbindung an und in die Natur, das natürliche Menschsein im Zeitalter der Industriealisierung. In der Modernen Welt, die als Gefahr für das Menschsein angesehen wurde, sollten sich Räume für das guten Leben eröffnen. Im Alten Schlachthof verwirklichte Adolf Voll diesen Gedanken der Lebensreform: Die industrialisierte Fleischproduktion wurde mit dem Badehaus, das gute Leben und das gute Menschsein zusammgefügt und durch die pitoreske Stilistik der Lebensrefom hervorgehoben.
In den historischen Schlachthofplanungen steckt etwas äußerst Widersprüchliches. Es stehen sich hier zwei völlig konträre Elemente gegenüber. Naturorientierte Lebensreform und Vegetarismus gegen industrialisierte Fleischproduktion.
Das Projekt RE-FORM führt das historische Grundmotiv dieser Ambiguität fort, stellt sie in einen zeitgemäßen Kontext und schlägt daraus resultierende architektonische und freiraumplanerische Lösungen vor. Dem Leitgedanken folgend werden die Ost- und die Westseite des historischen Gebäudekomplexes unterschiedlich behandelt und langfristig im Stadtraum verankert.
Westseite Schlachthofareal
Der Umgang mit den westlichen Stirnseiten des Schlachthofareals ist maßgeblich durch die historischen Fassaden geprägt. Diese Seite des Areals orientiert sich künftig deutlich zur Stadt und wird als prägnante Adresse sowie als wichtiger Ankerpunkt im Stadtraum wahrnehmbar. Entsprechend wird der Blickbezug von Westen gezielt auf die historischen Fassaden inszeniert.
Ostseite Schlachthofareal
Entlang der Ostseite verbindet der Brückenschlag über die Amper und die anschließende zentrale Gasse das Schlachthofareal mit seinem Umfeld. Die beiden zusätzlichen Stadtbausteine im Ideenteil fassen den zukünftigen Kreativhof und gewährleisten gleichzeitig die Durchlässigkeit. Flächen für Ateliers, Werkstätten und Gastronomie darin ergänzen die Nutzungen des ehemaligen Schlachthofes und ermöglichen eine weitere Belebung des Hofes. Die östlichen Stirnseiten von Badehaus und Schlachthof sind als transluzente, zurückhaltende Anbauten konzipiert. Nachts wirken diese als leuchtende, visuelle Ankerpunkte im Stadtraum. Im Gegensatz zur historischen Reformidee, moderne Bauweisen zu verbergen, wird die Konstruktion der Anbauten hier bewusst sichtbar gemacht. Die Nutzung der Anbauten orientiert sich – neben der Aufenthaltsqualität – an Motiven der Gartenstadtidee mit Nutz-, Nasch- und Heilgärten.
Verfahren
Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Sanierung des ehemaligen Schlachthofes Auf der Lände in Fürstenfeldbruck
Fläche
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Zeitraum
Jan-Mrz/2026
Projektpartner
fsz Architekten - Studio Weiter - Prof. Stefan Lindl
Preis
Anerkennung
Baukosten
ca. 0,75 Mio. €
Kontrastreiche differenzierte Freianlagen
Das Freiraumkonzept knüpft an zentrale Motive der Reform- und Gartenstadtbewegung an: Naturbezug, Licht, Luft und Gesundheit. Das bereits im Vorkonzept entwickelte räumliche Grundgerüst mit der Abfolge von Kreativhof, Festplatz und Musikhof wird aufgegriffen und weiterentwickelt. Ebenso bildet die Verzahnung mit dem die Lände begleitenden Grünraum einen zentralen Bestandteil der Freianlagenplanung. Auch die Übergänge zu angrenzenden Stadträumen werden bewusst gestaltet.
Ziel ist die Entwicklung einer klaren Gesamtidentität für das Schlachthofareal. Ein stabiles räumliches Grundgerüst bildet die Grundlage für differenzierte Freiräume mit jeweils eigenständigem Charakter, die dennoch miteinander verbunden sind. Vorgeschlagen wird ein durchgehender, befahrbarer und richtungsloser Belagsteppich in dem intarsienartige Schwerpunkt liegen.
Weitere Prinzipien der Reformbewegung werden aufgegriffen: ein deutlicher regionaler Bezug, eine formal reduzierte Gestaltungssprache sowie vorwiegend rustifizierte Oberflächenbeläge.









