
Das Idyll an der Ohrn
Das Idyll an der Ohr
Der Entwicklungsvorschlag für Ohrnberg geht über die materielle Gestaltung hinaus und schlägt die Brücke hinein in die soziale Struktur der Dorfgemeinschaft, um genau das zu erreichen, was erwünscht ist: Gemeinschaftsförderung und Identitätsentwicklung der Ohrnbergerinnen und Ohrnberger – Generationenübergreifend und barrierefrei zudem mit Zeit-Raumtiefe versehen.
Strukturelle und historische Einordnung
Die Siedlungsentwicklung von Ohrnberg lässt sich als Wandel von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf mit Weinbautradition im Hohenlohischen zu einer Wohnsiedlung beschreiben. Der ältere Teil Ohrnbergs, also das Projektgebiet, entspricht dem Typus einer Talbodensiedlung deren Zentrum bislang durch die evangelische Kirche markiert wurde. Da der Ort nie ein Marktflecken war, fehlt eine historisch bedingte zentrale Platzfläche als Begegnungsort. Das Leben fand also im Kirchumfeld und in den Zwischenräumen sowie den damals ansässigen Gastwirtschaften statt. Erst in jüngster Zeit entstand mit dem Wegfall der zentrumsnahen Gebäude ein Freiraum, der über räumliche Bezüge zu Kirche und ehemaligem Rathaus verfügt. Das Konzept nutzt das Potential und versteht den freien Raum als vielseitigen identitätsstiftenden Ort der Begegnung.
Der neue Platz bekommt durch drei einzelstehende Bauten mit Satteldach eine räumliche Fassung: Buswartehaus mit Bikeservice, Bürgerhaus und Café. Das Bürgerhaus nimmt den Bestand des Feuerwehrmagazins auf und entwickelt es weiter. Das Magazin hatte die Funktion der örtlichen Vereinstreffs, in ihm finden Räumlichkeiten, die Erinnerungen hervorrufen, die zur Dorfkultur und dem dörflichen Selbstverständnis beitragen. Diese Räumlichkeiten werden in ihrer Funktion als Erinnerungsräume gewürdigt und als Bestand in die neuen Räume des Bürgerhauses überführt. Tradition, Erinnerung und neuer Ortskern bereiten gemeinsam in die Zukunft der Dorfkultur Ohrnbergs.
Die Neue Dorfmitte
Grundsätzlich entsteht eine neue Dorfmitte als eine Art Oase, die für Bürgerinnen und Bürger, Vereine und den Tourismus gleichermaßen dient. Die behutsame Bespielung der verkehrsfreien Mitte mit Bäumen sowie einem Brunnenelement im Zentrum folgt dem literarischen Topos des locus amoenus, der seit der römischen Antike einen lieblichen Ort mit lichtem Schatten an einem Bach oder Flusslauf beschreibt.
Eine stabilisierte wassergebundene Wegedecke respektiert den dörflichen Kontext und wird als angenehme versickerungsfähige und weiche Grundfläche wahrgenommen. Die zur Höhenvermittlung angeordneten Stufen vermitteln den Höhensprung nach Westen und stärken die Kontur der innenliegenden Fläche und können darüber hinaus zum Sitzen genutzt werden.
Fahrradtourismus
Ein wichtiger Aspekt im Freiraumkonzept zielt auf den Radtourismus ab. Die Schnittstelle zwischen Kocher-Jagst- und Ohrntalradweg ein attraktives Angebot wird hervorgehoben und ermöglicht einerseits das Herantreten an die Ohrn und andererseits eine klare und einladende Geste zur Dorfmitte. Hier entsteht neben der Gastro- und Dorfladennutzung, einem Bürgersaal für Veranstaltungen und Vereinsnutzungen auch die Möglichkeit, einen Dorfspaziergang zu beginnen der den besuchenden die Geschichte Ohrnbergs nahebringt.
Ohrnberger Dorfspaziergang
Jedes Dorf erfüllt die Erwartungshaltung von Gästen nur dann, wenn genug Orte zum Entdecken angeboten werden. Die verwinkelte Struktur Ohrnbergs aber auch die Straßenführung von der neuen Dorfmitte weg, den Heuholzstraße entlang, über die Mühlgasse in den Backhausweg, an der Kirche vorbei zurück auf den Platz bietet sich dafür an....
Verfahren
Städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb
Fläche
7000m²
Zeitraum
2026
Projektpartner
Studio Weiter | Prof. Stefan Lindl | 1komma2
Preis
1.Preis
Baukosten
ca. 0,75 Mio. €
Klimaadaptive Planung und Regenwassermanagement
Ziel ist eine Reduzierung des Flächenverbrauchs und die Verwendung von hellen (Albedo-Effekt), offenen sowie versickerungsfähigen Belägen. Vorgeschlagen werden Natursteine in zurückhaltenden Grau-Beige-Tönen. Der Pflasterbelag im Dorfzentrum ist in einer richtungslosen ungebundenen (Römischer Verband) Bauweise vorgesehen. Der Fahrbahnbereich wird entsprechend der Belastungsklasse stabilisiert. Baumsetzungen zur Beschattung der Flächen sind vorgesehen. Das Regenwassermanagement orientiert sich an der natürlichen Wasserbilanz des Standortes und zielt darauf ab, Verdunstung und Versickerung lokal zu erhöhen sowie den Abfluss zu reduzieren und zeitlich zu verzögern. In einem gestuften System wird das anfallende Niederschlagswasser der Dachflächen der neuen Gebäude sowie der umgestalteten, befestigten Flächen in die Grünbereiche auf dem Platz geleitet. Dort wird es erst pflanzenverfügbar in hydrologisch optimierten Baumstandorten gespeichert und anschließend in Rigolen außerhalb der Wurzelraums der Bäume versickert. Das anfallende Niederschlagswasser des befestigten Bereichs von Bushalt und -umfahrt wird aufgrund der Belastungen über Entwässerungseinrichtungen gesammelt und über einen Filterschacht vorgereinigt in den Regenwasserkanal geleitet. Bei Starkregen (30-jährliches Ereignis) und Hochwassersituationen (bis HQ50) dient der vertiefte Platzbereich als entlastender Retentionsraum für eine schadlose Überflutung. Die bestehenden Hochwasserschutzeinrichtungen entlang der Ohrn bleiben erhalten. Topografie und Gelände entlang der Ohrntalstraße, bzw. im Übergang zur Sindringer Straße bleiben weitgehend auf Bestandsniveau oder werden leicht erhöht, um das Überschwemmungsrisiko weiter zu minimieren.







